13 Leitfragen für gelingende (Selbst)Veränderung

„Wenn du veränderst verändert sich nichts, denn jede Veränderung mus Selbstveränderung sein“. (Willke 1987)

Der erste Teil des Satzes repräsentiert das tägliche Geschäft der vielen Veränderungsprofessionen (Lehrkräfte, Sozialarbeitende, Berater, Coaches, Organisationsentwickler, Weiterbildner, Therapeuten usf.). Sie verändern. Manchmal bewirkt das nichts. Manchmal kommt Unerwartetes dabei heraus. Und sicher verändert sich dabei auch manchmal etwas wie angedacht. Und rückblickend kann das dann als Wirkung des eigenen Handelns  (Lehren, Helfen, Beraten, Coachen, Prozessbegleotens, Weiterbildens, Heilens usf.) rekonstruiert werden.

Oder vielleicht ist das eher Konstruktion denn Rekonstruktion?

Der zweite Teil des Satzes bringt uns der Komplexität von Veränderungsarbeit näher. Doch was kann ich tun, um angemessen mit einem Veränderungssachverhalt umzugehen? Unabhängig davon, ob es sich dabei um soziale oder personales System handelt, die linear-kausale Konzeption (Ursache > Wirkung) von Veränderung ist erfahrungsgemäß nur begrenzt tragfähig.

Aber wie sieht die Alternative aus?

Rolf Arnold macht sich in seinem neuen Buch Ach die Fakten – Wider den Aufstand des schwachen Denkens  für eine „selbsteinschließende Reflexion des Beobachters“ stark. Es geht ihm um eine Selbstreflexion, „die es ermöglicht, die Festlegungen der eigenen Muster des Bezeichnens und Bewertens hinter sich zu lassen“.

Die folgenden von ihm aufgeführten Merkmale einer Reflexion, die den Beobachter selbst einschließt, und die jeweiligen Fragen, können als Selbstcoaching-Programm zur Entwicklung einer Haltung verstanden und verwendet werden, die den jeweiligen (zur Veränderung ausgewählten) Systemen „spürend-suchend“ statt „vermutend-findend“ begegnet. (Die folgenden Fragen finden sich im o.a. Buch ab Position 1830 (Kindle Edition.)

Erwartungserwartung

  • Was erwarte ich vom Gegenstand?
  • Welche meiner Hypothesen sind Ausdruck gewohnheitsmäßiger Vermutungen?
  • Inwieweit unterstellen meine Hypothesen dem Gegenübersystem bereits bestimmte Erwartungen?

Nichtreaktivität

  • Gebe ich dem Gegenübersystem ausreichend Zeit, sich in dem, was es eigentlich meint, zu zeigen?
  • Sind meine Interpretationen vorschnelle Reaktionen, mit denen ich das Beobachtete einschränke und festlege?

Transformation

  • Welche Veränderungen kann ich bereits erreichen, indem ich in anderer Weise fokussiere und interpretiere?
  • Welchen Beitrag leistet meine Interpretation zur Veränderung dessen, was sich zeigt?

Zirkularität

  • Berücksichtigt meine Beobachtung in ausreichendem Maße zirkuläre Wechselwirkungen?
  • Zoomt mein beobachtender Blick auf die Zusammenhänge, deren Wechselwirkungen das Beobachtete ausdrückt?

Unterschiedserprobung

  • Suche ich bewusst nach Unterschieden, indem ich nach ganz anderen Lesarten und Erklärungen der Zusammenhänge suche?
  • Freunde ich mich mit den Unterschieden an?

Gewissheitsvermeidung

  • Kämpfe ich um die Wahrheit, oder trage ich Sorge für eine Vielfalt an möglichen Bedeutungen?
  • Gehe ich wertschätzend mit Kritikern um, indem ich anerkenne, dass auch sie recht haben können?

Ebenso wie die jeweilige (Lebens-)Welt die der Beobachter entdeckend erschafft, ist er selbst komplex. Der eigenen Durchschaubarkeit sind deshalb enge Grenzen gesetzt. Daher sind die oben aufgeführten Fragen hilfreich beim Umgang mit der eigenen Selbstorganisation, die den Ausgangspunkt jeglichen Wahrnehmens, Denkens, Fühlens und Handelns bildet.

Und Umgang mit der eigenen Selbstorganisation ist Dreh- und Angelpunkt einer Professionalität bzw. Professionalisierung, die nicht in die Faktenfalle tappt.

„Alles was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt“ (Humberto Maturana)

 

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