Schnellkurs: Kritisches Denken

Kritisches Denken = (fremden) Bullshit erkennen + (eigenen) Bullshit vermeiden

„Gerade in dieser fehlenden Verbindung zur Wahrheit – in dieser Gleichgültigkeit, wie die Dinge wirklich sind – liegt meines Erachtens das Wesen des Bullshits.“ (Harry G. Frankfurt: Bullshit – Suhrkamp, Berlin 2014)

Bei der Auseinandersetzung mit zeitgemäßen Kompetenzmodellen kommt man an den 4K-Skills nicht vorbei. Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken – das sind zweifellos wesentliche Bezugspunkte einer zeitgemäßen Bildung. Weiterführende Informationen dazu finden sich hier.

Damit diese Vorstellungen über Bildungsinhalte und -ziele in Lernsituationen wirksam werden können, ist eine Bedeutungsklärung erforderlich. Das ist besonders im Fall des Kritischen Denkens ein nicht-triviales Unterfangen. Jedenfalls dann nicht, wenn ein erweiteretes Kritikverständnis anvisiert wird, bei dem es nicht bei der einfachen Meinungsbekundung bzw. Selbstoffenbarung bleibt.

Kritikfähigkeit setzt nicht erst bei der Entäußerung einer kritischen Stellungnahme an, sondern bereits vorher, beim Erkennen frag- bzw. kritikwürdiger Informationen. Dieser Aspekt bleibt allerdings in einschlägigen Trainingsprogrammen und auch bei Forderungen der Wahrung einer respektvollen Diskussionskultur (v.a. in sozialen Netzwerken) oft unterbelichtet. Der Fokus liegt hingegen häufig auf der kommunikativen Ebene einer wohlgeformten Formulierung von Kritik und der „eigenen“ Meinung. Eine gut formulierte Ich-Botschaft allein bringt den Diskurs allerdings nicht maßgeblich voran. Vielmehr muss diese Botschaft sich aus einer Erkenntnis heraus begründen lassen. Ich muss beobachten, unterscheiden, bewerten.

Dafür bedarf es Maßstäben. Und es gibt hilfreiche Werkzeuge. Gleichwohl ist es mit Aufmerksamkeit und Aufwand – kurz: Arbeit – verbunden. In diesem Zusammenhang ist folgendes Buch zu empfehlen:

The Demon-Haunted World: Science as a Candle in the Dark (English Edition) von [Sagan, Carl]

Zentrale Aspekte und eine Zusammenfassung von Werkzeugen kritischen Denkens, die insbesondere aus dem Kapitel 12 („The fine Art of Balony Detection“) dieses Buches entnommen sind, finden sich im Video unten. Ich habe lediglich die dort näher beschriebenen Regeln zur ersten Orientierung zitiert.

Wie also können wir Bullshit erkennen und vermeiden?

Vorab gilt es festzustellen: Es ist herausfordernd kritisches Denken im Alltag anzuwenden. Denn:

Unser kritisches Denken wird immer von unseren persönlichen Meinungen und Erwartungen getrübt.

Die Behauptung unvoreingenommen zu sein, ist ein Indikator für unkritisches Denken. Bei Anderen ebenso wie bei uns selbst. Zur Überprüfung eigener und fremder Überzeugungen hat Sagan eine Liste an Tools zusammengestellt. Diese sind hilfreich bei der Praktizierung eines kritischen Denkens.

Basisregel:

Unterscheidet deutlich zwischen Falten, Hypothesen und persönlichen Meinungen.

Regel 1:

Eine Hypothese muss prinzipiell widerlegbar sein.

Regel 2

Stelle alle möglichen Hypothesen auf und versuche sie zu widerlegen.

Regel 3:

Hänge nicht so sehr an deiner persönlichen Hypothese.

Regel 4:

Die einfachere Lösung ist die wahrscheinlichere.

Dahinter steht das Prinzip der Sparsamkeit (auch bekannt als „Ockhams Rasiermesser„).

Regel 5:

Quantifiziere, wenn möglich.

Anschauliche Erläuterungen dieser Regeln inkl. Anwendungsbeispiele finden sich hier:

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