Aufklärung 3.0

Es ist viel von digitalen Kompetenzen, Medienkompetenz, Bildung 4.0 und so weiter die Rede. Hier gibt es viele Ansichten, Konzepte und: Meinungen.

Und beim Verfolgen von Diskussionen in den sozialen Netzwerken ist man auch oft mit einer unüberschaubaren Meinungsvielfalt und so manchen Diskursformen konfrontiert, die weder Erkenntnisfortschritt noch sinnstiftende Projekte erwarten lassen.

Dejan Mihajlovic stellt fest: „Wenn Diskussionen über soziale Netzwerke nicht funktionieren, kann das auch bedeuten, dass bereits vorher bestehende kommunikative Defizite vorhanden waren und nun nur sichtbar werden oder dass schlicht die Vorstellungen, wie eine erfolgreiche Kommunikation zu verlaufen hat, voneinander abweichen.“ (gesamter Blogbeitrag hier).

Und auch angesichts von Fake News, Verschwörungstheorien und einfach dahinbehaupteter Meinungen stellt sich die Frage, mit was für Phänomenen wir es da zu tun haben und v.a. auch was wir zu tun haben.

Phillipp Hübl plädiert für eine Bullshit-Resistenz und Michael Hampe für eine dritte Aufklärung. Hampe stellt die besagten Phänomene und auch den mit diesen eng zusammenhängenden Aufstieg von Populismus bzw. autoritärer Politiker in vielen Ländern in einen interessanten Kontext. Er stellt fest, dass „wir uns gegenwärtig nicht primär in einer Krise der Demokratie befinden, sondern eine Erosion der aufgeklärten Kultur stattgefunden hat, die sich auf die Art und Weise auswirkt, wie Demokratien »funktionieren«.“ (Hampe, Michael. Die Dritte Aufklärung (German Edition) (Kindle-Positionen65-67). Nicolai Publishing & Intelligence. Kindle-Version.)

Er fordert eine dritte Aufklärung.

Die erste Aufklärung, befördert von Sokrates im Athen des 5. Jahrhundert v. Chr., erkannte das Argument als die bessere Lösungsstrategie für Konflikte an als Gewalt. Die zweite Aufklärung vom 16. bis zum 18. Jahrhundert entdeckte, dass Menschen natürlichen und sozialen Mächten nicht vollständig ausgeliefert sein müssen, dass sie sich mithilfe der Vernunft auf den Weg der Emanzipation machen können. Die vor uns liegende Dritte Aufklärung muss die Erkenntnis realisieren, dass wir in einer gemischten Welt leben, in der es sowohl Zufälle wie Notwendigkeiten und auch menschliche Absichten als die Wirklichkeit beeinflussende Faktoren gibt. Das menschliche Handeln und seine historischen Konsequenzen finden innerhalb dieser Spannung statt.

Hampe, Michael. Die Dritte Aufklärung (German Edition) (Kindle-Positionen91-97). Nicolai Publishing & Intelligence. Kindle-Version.

Mit Meinungen allein kommt man nicht weit. Eine Meinungsinflation entsteht v.a auch dadurch, dass die Freiheit eine Meinung zu äußern, signifikant häufiger betont wird als die Notwendigkeit, eine Meinung zu bilden. Meinungen bilden den Ausgangspunkt zur Erlangung von Wissen. Wissen entsteht aus der Überprüfung von Meinungen im Rahmen bestimmter Verfahren. Hampe nennt diese Verfahren „Wahrheitspraktiken“.

Hampes Buch gibt interessante Impulse auch für Bildungszusammenhänge. Unbedingte Leseempfehlung. Oder: Zentrale Kerngedanken finden sich in diesem hörenswerten Interview:

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-das-philosophische-radio/audio-ueberfaellig—die-dritte-aufklaerung-100.html

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