Der 1. Follower

Welche Möglichkeiten habe ich, um etwas zu verändern? Wenn auch häufig nicht ausdrücklich formuliert, so schwingt diese Frage doch im Hintergrund mit, wenn wir Situationen betrachten. Und besonders dann, wenn es sich dabei um Situationen handelt, die wir als problematisch bewerten. Wenn diese Frage explizit gestellt wird, dient sie oft im Sinne einer rhetorischen Frage dazu, nichts zu unternehmen. Die Antwort ist nämlich klar. Sie lautet: Keine.

Manchmal stimmt diese Einschätzung. Manchmal auch nicht. Und eine wichtige Aufgabe – in welchem Daseinsbereich auch immer – besteht in der realistischen Beurteilung von Gestaltungsmöglichkeiten. Um aus kurzschlüssigen Bewertungsroutinen („Da kann ich nix machen“) zugunsten einer Wahrnehmung von Einflussbereichen herauszutreten ist eine Unterscheidung von Steven R. Covey hilfreich. In seinem Buch Die sieben Wege zur Effektivität differenziert er den Interessenbereich vom Einflussbereich.

Viele Dinge interessieren uns, und viele Themen „da draussen“ beeinflussen unser Leben maßgeblich, liegen aber nicht in Reichweite einer unmittelbaren Gestaltung. Wir können diese Dinge nicht ändern. Wir können zwar viel Energie darauf verwenden unseren Fokus, unsere Übrlegungen und Ärger auf diese Dinge im Interessenbereich zu lenken, das geht aber zu Lasten der konzentrierten Würdigung und Erweiterung unseres Einflussbereiches. Diesen zu Identifizieren und – v.a. auch mit Anderen (Stichwort: Kollaboration) – zu gestalten, das ist besonders auch in und für Organisationen „lebenswichtig“.

Henrik Epe thematisiert das in diesem lesenswerten Blogartikel: Was wäre, wenn die Rahmenbedingungen sozialer Arbeit kein Problem wären?

Entscheidend und hilfreich für diesen veränderten Fokus auf den Einflussbereich ist das Verständnis des Phänomens der Selbstorganisation. Sinnbildlich und anschaulich kommt die Möglichkeit ein System im Sinne der eigenen Gestaltungsvorstellungen „in Bewegung zu bringen“ im Video unten zum Ausdruck. Der „Vortänzer“ hätte – statt zunächst resonanzlos und dann mithilfe einiger weniger „Follower“ musterbildend engagiert zu sein – auch mit einer Befragung zur allgemeinen Motivation mitzutanzen und einer entsprechenden Verfahrensanweisung versuchen können, sein Anliegen „auszurollen“. Es obliegt dem Leser zu beurteilen, ob das zum gleichen Ergebnis geführt hätte.

Außerdem ist offensichtlich: Das Beobachten von Handlungen bahnt Handlungsimpulse. Den Spiegelneuronen und dem Phänomen der Resonanz sei Dank.

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