Schnellkurs: Strukturale (Medien-)Bildung

Wer einen greifbaren Rahmen zur Profilierung seines Bildungsverständnisses (auch unter den kulturellen Bedingungen der Digitalität) sucht, dem sei dieser gut halbstündige Podcast empfohlen.

Das Gespräch mit Prof. Dr. Marotzki hilft dabei, ein erweitertes Verständnis von (digitaler) Transformation zu entwickeln.

Die Transormation von Selbst- und Weltverhältnissen rückt ins Blickfeld. Das ist etwas ganz anderes als die Aneignung von bestimmten Kenntnissen und Fertigkeiten.

Ich greife aus dem Gespräch ein paar Unterscheidungen heraus, die ich für besonders bedeutsam halte und die – auch für de Gestaltung von Bildungsangeboten – einen Unterschied machen:

  1. Optimierung vs. Orientierung:

Medien können unter der Oprimierungsperspektive betrachtet werden. Der Optimierungsgedanke kreist um die Frage: Wie helfem mir Medien XY besser/ effektiver zu machen? Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Strukturale Medienbildung nimmt besonders auch die Art und Weise in den Blick, wie Medien darauf Einfluss nehmen, wie ich mich und die Welt wahrnbehme. Das Selbst- und Weltverhältnis ist grundsätzlich medial vermittelt. Damit ist die Orientierungsfunktion von Medien angesprochen. Sie optimnieren nicht bloß mein Handeln, sondern sie orientieren es auch.

2. Bildung vs. Lernen

Beides hängt zusammen, aber: Orientierung (Bildung) bezieht sich auf Ziele/ Wertvorstellungen. Und diese sind nur bedingt durch den Lernbegriff abzudecken. Bildung und Lernen bringen als Begriffe unterscheidliche Schwerpunkte zum Ausdruck.

3. Materiale v.a formale Bildung

Materiale Bildung definiert sich über Inhalte. Formale Bildung fokussiert das Ziel. Anders gesagt: Es gilt Faktenwissen von Orientierungswissen (Was mache ich mit dem Wissen, das ich mir angeeignet habe?) zu unterscheiden.

Orientierungswissen ermöglicht Reflexion. Und die wird immer wichtiger. Denn:

4. Reflexionskultur vs. Meinungskultur

Lebensverhältnisse in der Moderne/ Postmoderne werden immer reflexiver. In traditionalen Gesellschaften werden mir Entscheidungen weitgehend abgenommen. Menschen müssen also ihre Optionen selbst bestimmen. Der Mensch muss Entscheidungen treffen und kann die auch immer wieder anders treffen (Kontingenzschub). Bildung als Antwort auf diese Situation ist genau das: Die Reflexion dieser Zusammenhänge.

Gefragt ist eine Reflexion, die zu Urteilsfindung führt. Ein reiner Meinungsaustausch genügt nicht (Bepsiel Talkshow).

5. Information vs. Wissen

Information ist die Voraussetzung dafür, dass ich mich orientieren kann. Aber die Infoamtion per se reicht zur Orientierung nicht hin. Erst in der Reflexion entfaltet Information ihre orientierende Funktion, indem ich sie auf Probleme beziehe, Problemlösungsszenarien entwickle. Information ist der Rohstoff, überall verfügbar. Mangelnde Information ist nicht das Problem. Vielmehr ist entscheidend (im Wortsinn), dass ich in der Reflexion unter Nutzung der Informationen zu einer Unrteilsfähigkeit komme. Und nicht anderen einfach hinterherlaufe.

6. Selbstverhältnisse vs. Weltverhältnisse

Selbsteinschätzungen/-bilder gibt es auf verschiedenen Ebenen (Leistungsfähigkeit, moralische Urteile). Die Frage wie man sich selbst einschätzt ist basal für das Menschsein. Auf der anderen Seite: Wie sehe ich die Welt? Wie ist die Welt beschaffen? Diese Einschätzung (Weltbild) orientiert das Handeln. Das Weltbild strkturiert die jeweiligen Handlungsoptionen vor. Selbst- und Weltbild greifen ineinander. Komplexe Prozesse der Transformation von Selbst- und Weltverhältnissen sind mit dem Lernbegriff schlecht fassbar.

Auch Ereignisse oder Begegnungen können eine Veränderung des Selbst- und Weltverhältnisses auslösen, ganz ohne einen intendierten oder nicht intendierten Lernprozess.

Was das alles für die eigene Bildungspraxis bedeutet?

Darüber lohnt es sich nachzudenken.

 

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