(Veränderungs-)Kommunikation: 2 Modelle

Kommunikation ist unwahrscheinlich. Sie ist unwahrscheinlich, obwohl wir sie jeden Tag erleben, praktizieren und ohne sie nicht leben würden.“ (Niklas Luhmann)

Kommunikation zielt auf Veränderung. Und ihr Gelingen ist, wie wir spätestens seit Luhmann wissen, unwahrscheinlich.

Ob Kommunikation bzw. die Veränderung gelingt oder nicht, das hängt auch vom impliziten Kommunikationsmodell ab. Häufig drängt sich das Sender-Empfänger-Modell in seiner gleichmaßen lauten wie unterkomplexen, poltrigen Art in den Vordergrund. Dieses klassische und technisch orientierte Modell basiert – wie jedes Kommunikationsmodell – auf bestimmten Prinzipien und Wirklichkeitsvorstellungen. Deswegen ist es nicht unerheblich, wie wir kommunizieren. Wir erschaffen mit der Orientierung an bestimmten Modellen und deren spezifischen Epistemologie eine ebenso bestimmte Wirklichkeit.

Und diese Wirk-lichkeit ermöglicht oder verhindert Perspektiven, Optionen, Lösungen.

Aber nochmal von ganz vorne:

Das Sender-Empfänger-Modell geht – das legt schon die verwendete Metaphorik nahe – von der Übertragung eines (eindeutigen) Signals aus. Und das kommt – entgegen jeder Erfahrung in unzähligen Situationen – angeblich so beim Empfänger an, wie es vom Sender abgeschickt wurde. Findet die beabsichtigte Veränderung der Welt des Empfängers nicht statt, so liegt das – dieser Vorstellung entsprechend – am Kanal (technische Probleme in der Übertragung) und/ oder am Empfänger (Wahrnehmungs-, Denk- oder andersweitige Störung).

Besonders aus systemisch-konstruktivistischer Perspektive wird dieses Modell zu Recht in seiner Eindimensionalität kritisiert. Neben einem stark reduktionistischen Wirklichkeitsverständnis verleitet diese Konzeptionalisierung von Kommunikation aber zudem zu einer engstirnigen Fokussierung auf den Inhalt, die Botschaft, die beobachtbare Realität – kurz: auf das WAS.

Kommt es nicht zu den erwarteten Wirkungen der sorgsam zurechtgelegten Kommunikationsstrategie  (Kunde kauft nicht, Schüler lernt nicht, Mitarbeiter handelt nicht … ) wird getreu der Unglücksstrategie „Mehr Desselben“ am WAS weitergewerkelt (mehr Alleinstellungsmerkmale, mehr Argumente, mehr Anreize …).

Das ist, zusammengefasst mit einem Wort beschrieben: Manipulation.

Wie sieht die kommunikative Alternative mit Gelingenserwartung aus?

Simon Sinek schlägt in seinem Buch vor, immer erst nach dem WARUM zu fragen.

Aber Warum? Wir sind routinierte WAS-Kommunizierer.

  • Wir fragen nach dem Was (Was arbeitetst Du?) oder
  • fordern ein bestimmtes Was (Mach dies! Mach das!) oder
  • betonen bestimmte Merkmale, z.B. eines Produktes (Dies und das ist besonders toll, güntig, qualitativ wertvoll …).

Die Stimmung ist aber sofort hin, wenn wir nach dem WARUM gefragt werden bzw. danach fragen. Kleine Hausaufgabe: Beim nächsten Smalltalk über den Job einfach mal fragen: Warum arbeitest Du als … (jeweils passenden Beruf einsetzen).

Dieses kleine Krisenexperiment lässt sich auf beliebige was-lastige Diskurse übertragen. Eine kleine Auswahl:

  • Beratungsmethoden
  • Unterrichtsinhalte/-methoden
  • digitale Werkzeuge
  • berufliche Tätigkeiten
  • Hobbies

Was, was, was … und machmal ein bisschen Wie. Das war’s.

Dabei ist es ein starkes WARUM, das über Motivation und auch eine gelingende Kommunikation (um nicht gleich zu überschwenglich von Begeisterung zu reden) entscheidet.

Der goldene Kreis dreht die gewohnheitsmäßige Art der Kommunikation

Was? > Wie? > Warum?

um.

Ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Sinn in der Kommunikation. Es fällt nicht schwer, diesen Ansatz z.B. auf das Lernen zu übertragen und – mit dieser Brille – auch Probleme gängigen Lehrens und Vermittelns zu erkennen.

Empfohlen sei dieser kurze Ted Talk von Sinek zur Grundidee seines Modells.

Das WAS repräsentiert das rationale Denken (Kopf), das Wie die Umsetzung/ den Prozess des Tuns (Hand) und das WARUM die Intuition/ Überzeugung/ Inspiration/ Wertvorstellung (Herz). Für die Neuro-Fans: In seinem Buch verdeutlicht Sinek die Strukturähnlichkeit seines Goldenen Kreises mit dem Aufbau des menschlichen Gehirns (speziell: Was > Neokortex, Wie/ Warum > Limbisches System). Für die Pädagogen: Das Modell entspricht ziemlich genau dem Motto des Herrn Pestalozzi („Mit Kopf, Herz und Hand“).

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2 Kommunikationsmodelle – eigene Darstellung

 

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