Definitionssache! Bildung.

Am Ende des Artikels ist eine Definition von Bildung zu finden. Kurz und knapp. Nur zehn Wörter. Aber warum sollte man es sich so einfach machen? Dazu muss ich etwas ausholen.

Manchmal tut es gut durchzuatmen, die (Pro-/ Contra-)Argumente zur Seite zu legen, die Medien mal Medien sein zu lassen, Reformansprüche zu suspendieren, Risiken und Chancen von Medium X/ Methode Y im letztlich doch Ungewissen ruhen zu lassen und – kurz gesagt – nachzudenken.

Wenn wir uns ein Thema vornehmen, egal ob alleine oder mit Anderen, setzen wir uns mit sprachlich beschriebener bzw. hervorgebrachter (modern: konstruierter)  Wirklichkeit auseinander. Das ist alles andere als trivial. Besonders wenn wir uns von dieser Auseinandersetzung weiterführende Erkenntnisse für unser Verstehen und Handeln erwarten, kann es schnell zu Frustration führen, wenn eben diese Erkenntnisse ausbleiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass genau das passiert, steigt mit zunehmender Komplexität des in Frage stehenden Themas. Bestens dokumentiert ist das u.a. in jedweder Ausprägung sogenannter „Bildungsdebatten“.

Da kann es helfen, sich des Verständnisses der mitunter selbstverständlich gebrauchten Begriffe zu vergewissern. Immanuel Kant hat uns ja auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass es mehr (zu erkennen) gibt als die Evidenzen der eigenen Wahrnehmung. Für ihn bildeten Anschauungen und Begriffe die beiden wesentlichen Elemente von Erkenntnis.

Anschauung und Begriffe machen also die Elemente aller unserer Erkenntnis aus, so daß weder Begriffe, ohne ihnen auf einige Art korrespondierende Anschauung, noch Anschauung ohne Begriffe, ein Erkenntnis abgeben können.

Kant. Kritik der reinen Vernunft, 2. Auflage, Kap. 22)

Diese Unterscheidung ist geeignet, um fachliche Diskurse zu verflüssigen. Oder besser gesagt: Diskussionen (discutere, lat.: zerschneiden) in konstruktives Fahrtwasser zu mänovrieren,  in einen Diskurs zu überführen. In Diskursen werden Geltungsansprüche ausgehandelt. Das ist etwas anderes, als Meinungen auszutauschen. Und da sind Begriffe der Dreh- und Angelpunkt.

Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind. Daher ist es ebenso notwendig, seine Begriffe sinnlich zu machen, (d. i. ihnen den Gegenstand in der Anschauung beizufügen,) als seine Anschauungen sich verständlich zu machen (d. i. sie unter Begriffe zu bringen). (ebd.)

Was passiert nun aber mitunter in engagierten Auseinandersetzungen?

Es kommt zu keiner weiterführenden Erkenntnis, weil

a. die Beteilgten in ihren je einzigartigen (Praxis-)Erfahrungen verhaftet bleiben. Effekt: Das Thema wird in eine Vielzahl von Facetten zerlegt (discutare = zerschneiden). Und wer will schon die je persönlichen Anschauungen in Frage stellen?

oder weil

b. die Beteiligten auf der Ebene übergreifender Programme bzw. Appelle verbleiben, sich gegenseitig Buzzwords (also besonders moderne Begriffe) zur Verfügung stellen. Effekt: Das Thema wird sehr allgemein, ohne Rückbindung an persönliche Wahrnehmungen (Anschauungen) verhandelt.

oder (besonders brisant) weil

c. einige Beteiligte sich im Kommunikationsmodus a., einige im Modus b. engagieren. Effekt: Es entstehen zumeist zermürbende Theorie-Praxis-Dispute.

Um hier Übersichtlichkeit zu schaffen, die nicht über die Maßen vereinfacht, bietet es sich an, zentrale Begriffe zu definieren. Das heißt nichts anderes als sich gemeinsam ein Verständnis des jeweiligen Themas/ Phänomens zu erarbeiten.

Um hier einen Einstieg zu schaffen, bietet es sich an, auf bereits erarbeitete Definitionen zurückzugreifen.

Ich bin kürzlich auf eine Definition von Bildung gestoßen, die es trotz aller Kürze in sich hat.

Bildung ist die wache, kenntnisreiche und kritische Aneignung von Kultur.

Bieri, Peter. Wie wollen wir leben? (Unruhe bewahren) (German Edition) (Kindle-Position607). Residenz Verlag. Kindle-Version.

Mit diesem Begriff von Bildung lässt sich einiges anfangen.

Das ist auf jeden Fall mal einen Diskurs wert.

Oder?

Literatur:

Bieri, Peter: Wie wollen wir leben? (Unruhe bewahren). Residenz Verlag

Kant, Immanuel: Kritik der reinen Vernunft (http://gutenberg.spiegel.de/buch/kritik-der-reinen-vernunft-2-auflage-3502/22

 

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