Verwirrt? Unordentlich? Super!

Es gibt noch einen Snowden.

Einen Snowden, der nicht so präsent ist bzw. war wie der Edward Snowden. Einen Snowden, der aber auch durchaus Interessantes enthüllt.

Ich spreche von Dave Snowden, Gründer und Chief Scientific Officer von  Gognitive Edge (http://cognitive-edge.com/). Er entwickelte ein recht praktisches Modell (Cynefin Framework) für die Beobachtung, die Beschreibung und das Verstehen von Situationen und Systemen. Besonders für das Lösen von Problemen liefert es einen Rahmen zur Verständigung (Womit habe ich es/ haben wir es zu tun?) und zur Lösungsfindung (Was sind angesichts der Situation tragfähige Lösungsperspektiven?).

Ist auf den ersten Blick vielleicht nicht bahnbrechend. Auf den zweiten Blick entfaltet der Ansatz aber ein großes Potenzial, indem er eine Systemtypologie anbietet, die gängige Unterscheidungsroutinen nach dem Muster: „Entweder ist es einfach oder kompliziert“ zu überwinden hilft und dabei auch die Sprachverwirrung rund um die Begriffe „kompliziert“ und „komplex“ auflöst.

Kurzum: Es ist vielen lebens- und arbeitsweltlichen Handlungssituationen angemessen.

Das Einfache behält dabei ebenso seinen Stellenwert wie das Komplizierte. Doch dabei bleibt Snowden nicht stehen.

In diesem kurzen Video erklärt er kurz und prägnant das Modell:

Je nach System-/ Situations-Typ (einfach, kompliziert, komplex, chaotisch) sind verschiedene Handlungsstrategien angezeigt. Das Modell lädt also ein, unsere bestehenden Lösungsansätze kritisch zu hinterfragen. Dazu ist es erstmal entscheidend, uns zu orientieren mit welchen Typ von Problem wir es zu tun haben. In welche der vier Domänen gehört es? Wenn wir es nicht wissen, dann befinden wir uns im Zustand der Unordnung (disorder) bzw. Verwirrung.

Das Cynefin-Modell legt uns nahe, die Verwirrung bzw. Unordnung, die wir erleben, nicht allzu schnell in Ordnung zu überführen. Dies gelingt uns regelmäßig, indem wir bewährte und bekannte Handlungsroutinen (best oder good practice) aktivieren, damit es für uns schnell einfach oder – wenn wir ein Experte für bestimmte Probleme sind – vielleicht auch kompliziert,  auf jeden Fall aber durch fleißiges Analysieren schnell kontrollierbar wird.

Stattdessen ist zunächst einmal angezeigt, eine Entscheidung zu treffen, auf welches Feld man aus der Unsicherheit und Unordnung heraus „den ersten Schritt macht“.

(Abbildung aus: Berger, Jennifer Garvey; Johnston, Keith (2015). Simple Habits for Complex Times. Stanford, CA: Stanford University Press, p.237)

Durch diese Entschleunigung im Rahmen der reflektierten Auseinandersetzung mit der Handlungssituation entsteht eine Chance, eine Chance etwas zu lernen.

Zugespitzt interpretiert: Verwirrung/ Unordnung ist Voraussetzung für Lernen.

Eine gleichermaßen detaillierte, anschauliche und praxisorientierte Darstellung des Modells findet sich auch hier:

http://www.georgjocham.com/tag/cynefin/

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